Chronik

Gründung des TSV Bellersheim

Am 05. April 1930 fand in der Gastwirtschaft von Frau Angermüller (der heutige Landgasthof „Zur Angermühle“) die Gründungsversammlung des Turn- und Sportvereins Bellersheim statt. Einberufen wurde sie von dem verstorbenen Ehrenvorsitzenden Rudolf Sack. In einer weiteren Sitzung am 17. April wurde ein provisorischer Vorstand gegründet, der in der 1. Hauptversammlung am 25. April bestätigt wurde. Ihm gehörten folgende Personen an:

1. Vorsitzender Rudolf Sack
2. Vorsitzender Adolf Jung
Schriftwart Rudolf Bornmann
Rechner Otto Emmel
1. Beisitzer Hugo Neusel
2. Beisitzer Wilhelm Brink
3. Beisitzer Friedrich Schwalm
4. Beisitzer Bürgermeister Friedrich Müller

Zum Zweck des Vereins wurde „die Pflege und Ausbildung des Körpers, sowie die Erziehung des Geistes nach dem Vorbild des Friedrich Ludwig Jahn“ bestimmt. Im gleichen Jahr wurde „Frisch Auf“ als Name des Sportvereins festgelegt. Durch eine Sammlung im Ort, einem Zuschuss der Gemeinde und einer Spende der Brauerei konnten schon im ersten Jahr 1 Reck, 2 Matten, 2 Sprungbretter, 1 Pferd und 1 Barren angeschafft werden, wobei der Barren von der Fürstlichen Rentenkammer Braunfels gestiftet wurde. Schon am ersten Pfingsttag schaffte es der noch junge Verein, sich bei einem Schauturnen zu präsentieren. Durch einen weiteren Werbeabend im November wurde das erste Jahr mit einem Guthaben von 189,40 RM abgeschlossen. Der Verein hatte 37 aktive und 54 passive Mitglieder.

1939, das Jahr des Kriegsausbruchs, wurde zum bis dahin erfolgreichsten Jahr des Vereins. Beim Hoherodskopfbergfest kehrten von 11 Teilnehmern 10 als Sieger heim, beim Unterkreisturnfest in Holzheim waren es von 13 Teilnehmern 12 Sieger. Auch zum Deutschen Turnfest nach Breslau entsandte der Verein in diesem Jahr mit Ernst Brink und Otto Schneider zwei Teilnehmer.

Durch den Ausbruch des Krieges ruhte das Vereinsleben dann für fast 7 Jahre. Auch in den Reihen des Vereins wurden tiefe Wunden geschlagen. 18 aktive und 4 passive Mitglieder kehrten aus dem Krieg nicht mehr heim.

Das Geräte- und Bodenturnen fand im Saal der Gastwirtschaft Angermüller statt, der Schulplatz diente bis ins Jahr 1934 als Turnplatz im Freien. Dann wurde dem Verein vom Hofgut Kammer die obere Viehweide zur Verfügung gestellt, aus der später der Sportplatz entstand.
Die Turner nahmen mit großen Erfolgen an verschiedenen Veranstaltungen teil. Auch im Langlauf konnte der Verein erfolgreiche Sportler stellen. Bei den Gaumeisterschaften in Nieder Florstadt wurde Adolf Jung Gaumeister im 5000-m-Lauf. Auch Otto Kappeller und Hans Eigenbrod konnten bei Langläufen vordere Plätze belegen.

Gründung der Fußball- und Damenhandballabteilung

Im Frühjahr 1946 wurden eine Fußball- und eine Damen-Handballabteilung gegründet. Die offizielle Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit erfolgte dann mit der Generalversammlung am 29. August 1946. Neuer 1. Vorsitzender wurde in dieser Sitzung Werner Angermüller. Rudolf Sack blieb als beratendes Mitglied Teil des Vorstandes. 1. Spielausschussvorsitzender und Trainer wurde Helmut Studenroth, Abteilungsleiter Fußball wurde Fritz Schwalm. Für den Damen-Handball war Paul Mosler verantwortlich. Er übernahm gleichzeitig auch das Training.

Damenhandball

Am 28. Juli 1946 spielte der Deutsche Frauen-Handballmeister Eintracht Frankfurt zum ersten Mal in Bellersheim gegen unsere Mannschaft. Vor der riesigen Kulisse von 1200 Zuschauern gab es zwar mit 2:13 eine deutliche Niederlage, doch konnten die Damen um die laut Sport Presse „überragende“ Torfrau Gretel Koch und die Verteidigung um Ilse Isterling gegen die technisch überlegenen Frankfurterinnen überzeugen.

In den ersten beiden Verbandsrunden verloren die Bellersheimerinnen kein Spiel. 1947 wurde die Mannschaft mit 48:8 Toren und 16:0 Punkten überlegen Meister der Bezirksklasse. Erst am 27.04.1947 im Endspiel um die Kreismeisterschaft mussten sie sich dem MTV Gießen mit 2:4 geschlagen geben.
In einem weiteren Spiel gegen Eintracht Frankfurt im Mai 1947 waren unsere Spielerinnen „ein jederzeit achtbarer Gegner“, sie gingen zwischenzeitlich mit 3:2 in Führung, verloren aber schließlich doch mit 8:14.
Ein Spiel gegen die zweite Mannschaft der Frankfurterinnen beim „Tag der Eintracht“ im Frankfurter Stadion gewannen unsere Damen im gleichen Jahr sogar recht deutlich mit 4:1.
1948 erreichten die Damen das Endspiel um die Bezirksklassenmeisterschaft, das sie durch drei frühe Tore des VfL Marburg unglücklich mit 2:3 verloren. Margot Horst warf in diesem Jahr 48 Tore, Emmi Müller und Lydia Kälberer trafen je 24 Mal.

Der Erfolg der drei Mannschaften zog seine Kreise auch auf Funktionärsebene. So wurde 1948 Ilse Isterling zur Kreisobfrau für Damenhandball im Sportkreis Gießen ernannt, Paul Mosler wurde Lehrwart der Kreisauswahl. Diese trat im Jahr 1948 mit 7 Spielerinnen des TSV an!

Am 06. Juni 1948 fand in Bellersheim ein Lehrgang für Spitzenspielerinnen im Frauenhandball zur Aufstellung einer Hessenauswahl statt. Vom TSV Bellersheim nahmen Erna Bopp als Torfrau sowie Gertrud Kammer in der Verteidigung und Emmi Müller im Sturm teil. Zum Abschluss des Lehrgangs gewann die Auswahl ein Spiel gegen den TSV Bellersheim mit 5:3.

Im Spiel gegen die Auswahl von Baden Württemberg in Stuttgart verlor die mit den drei Spielerinnen aus Bellersheim vertretene Hessenauswahl zwar recht deutlich mit 1:6, allerdings konnten die starken Spielerinnen der Eintracht Frankfurt an diesem Auswahlspiel nicht teilnehmen.

1949 konnten die Damen den Sieg in der Bezirkspokalrunde erringen. In einem weiteren Spiel um den Landespokal unterlag man der Eintracht Frankfurt mit 1:4 und schied damit aus.
Erneut war der TSV Ausrichter des Lehrgangs für hessische Spitzenspielerinnen. Mit Erna Bopp als Torfrau und Margot Horst als Linksaußen stellte der Verein zudem wieder tragende Stützen der Auswahlmannschaft.

Durch die großen Erfolge und die damit verbundenen weiten Fahrten zu den Spielen nach Dillenburg, Frankfurt, Marburg oder Haiger wurden für den Verein die finanziellen Belastungen zu hoch, so dass der Spielbetrieb im Jahr 1949 leider eingestellt werden musste.
Zu verdanken sind diese großen Erfolge neben den Spielerinnen zum großen Teil dem Trainer und Abteilungsleiter Paul Mosler.